Wird *Eine zweite Chance* mein letzter Film? / Wie gehts 2021 weiter?

Nun, rückblickend kann mal wohl sagen, dass das Jahr 2020 weitaus nicht das gebracht hat, was es sollte. Ich war vor einem Jahr auf dem kreativen Bereich hochmotiviert, wollte neue Projekte starten und mit voller Kraft voraus mich in die Arbeit stürzen. Die Dreharbeiten zu *Phantom II* waren 2019 vorübergehend verschoben worden auf Grund verschiedener Dinge, so entschied mich erst für die Dramedy *Eine zweite Chance*, mit deren Dreharbeiten wir im Februar 2020 begannen, vor fast einem Jahr. Nach drei Drehtagen mussten wir jedoch schon wieder abbrechen, da der erste Lockdown im Zuge der Corona-Pandemie kam und wir erst im Juli die Dreharbeiten fortsetzen konnten, bis zum September in kleineren Stücken. Auch wenn es nicht ganz so geplant voran ging wie anfänglich geplant, war ich sehr zufrieden mit dem gedrehten Material und bin durchaus der Meinung, dass es einer meiner besten Filme werden kann, auch weil es mich sehr schön mit meinem Vater vor der Kamera zusammen bringt und wir einige tolle gemeinsame Szenen haben, die uns rund um die Welt führen. Doch erst 40 Prozent des Films konnten abgedreht werden, als wir nach dem letzten Dreh im September wieder abbrechen mussten. Erst kam ein Krankheitsfall (kein Corona glücklicherweise) und dann der neue Lockdown, der ja nun noch weiter verschärft wurde. Doch nun steht alles wieder still und das auf unbestimmte Zeit. Ich kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen wann und ob die Dreharbeiten überhaupt noch fortgesetzt werden können, denn je länger die Pause dauert umso unwahrscheinlicher wird es sicher und die Zeiten ändern sich auch, sodass manche ihren Part vielleicht auch gar nicht mehr zu Ende spielen können und keine Alternativen mehr verfügbar sind. Solche langen Drehzeiten sind meistens schon nicht sehr gut für so ein Projekt, vor allem da auch am Anfang nur 7 bis 10 Drehtage angesetzt waren. Ich wäre wirklich sehr traurig, sollte es soweit kommen und der Film nicht fertig werden, aber leider ist das wohl nicht auszuschließen. Ich merke aber auch bei mir selbst, dass meine Motivation, auch meine Leidenschaft fürs Filmemachen immer weiter schwindet. Sicher hatte ich schon früher Phasen, wo ich ausgebrannt war und von weiteren Filmen nichts wissen wollte, doch diese Phasen gingen auch wieder. Vielleicht ist es dieses Mal nicht anders, ich weiß es nicht.

Ich habe trotz aller Anstrengungen und manchmal auch schleppend laufenden Dreharbeiten nie den Mut und das Ziel aus den Augen verloren einen bestmöglichen Film abzuliefern und aus dem, was wir hatten, immer das beste rauszuholen. Im Vergleich liefen die Dreharbeiten zu *Phantom* wie am Schnürchen, bei *Die Macht der Träume* gab es mitunter schwere Komplikationen, doch trotzdem wurde alles geschafft und die Filme wurden - bis auf wenige Ausnahmen - am Ende immer erfolgreich und positiv vom Publikum aufgenommen. Gute Geschichten zu erzählen, Filme zu drehen, das ist seit vielen Jahren ein großer und wichtiger Teil meines Lebens, etwas was viel von meiner Persönlichkeit ausmacht. Denn ich finde gerade heutzutage ist es umso wichtige Geschichten mit Inhalt zu erzählen. Man kann das Rad nun auch nicht neu erfinden, aber wenn man sich im aktuellen Filmprogramm umsieht, sieht man ja hauptsächlich folgendes: Brutalität, Horror, Gewalt - meistens sinnlos und das immer wieder nach dem selben Muster. Aber wo sind Geschichten, die zum nachdenken anregen, den Zuschauer fordern, zum Nachdenken anregen und auch gute Botschaften vermitteln? So was gibt es leider kaum noch und dann wird meistens vom breiteren Publikum gar nicht mehr wahr genommen, weil die meisten lieber in sinnlose Actionfilme gehen. Etwas, was mich auch nicht sehr erfreut und für viele gute Filme einen schlechten Start bereitet. Ich gehe heute auch (vor und von Corona mal abgesehen) kaum noch ins Kino, ich will schließlich nicht noch auf der Leinwand sehen wie depressiv alle sind, sondern auch einen Film sehen, der Spaß macht und an den man sich auch mit guten Gefühlen erinnern kann, anstelle aus dem Kino zu kommen und schon vergessen zu haben, was man da eigentlich gesehen hat.


Ich denke wenn man die 30 einmal überschritten hat, lernt man auch - gerade in einem Fall wie bei mir, wenn man schon viel im Leben verpasst hat - Dinge anders zu betrachten und die Zeit viel mehr zu schätzen, die man mit liebgewonnen Menschen hat. Doch dann kommt etwas, was einem die wertvolle Zeit nimmt. Da gibt es keinen großen Platz mehr für Dinge wie "Wenn heute nicht, dann eben morgen oder irgendwann mal", denn irgendwann ist die Zeit um, um etwas zu erreichen. Eine Woche, ein Monat, ja sogar ein Jahr sind heutzutage nicht mehr viel und man kommt langsam in das Alter, wo einem das Leben anfängt mehr wegzunehmen als zu schenken und man Dinge, die man tun oder realisieren wollte, einfach nicht mehr kann. Ich habe dank meiner Eltern schon viel von der Welt sehen können, ich war in Amerika, Asien, Afrika, in verschiedenen Ländern auf 4 Kontinenten in den letzten Jahren und habe auch versucht mit meinen Dokus viel darüber auch mit anderen zu teilen. Eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte und über die ich auch glücklich bin. Doch ich musste knapp 32 Jahre alt werden, um das erste Mal in meinem Leben eine echte Liebe zu erfahren und jetzt bin ich sogar mit ihr verlobt. Das war sicher eins der wenigen Highlights des Jahres 2020. Meine Teenagerjahre, die Zwanziger, waren zum größten Teil geprägt von Depressionen, Trauer und viel Kummer, ab selten positiven Erfahrungen, was mich auch dazu gebracht hat mich dem Filmemachen und dem Schreiben von Geschichten zu widmen. Über die Jahre hinweg änderten sich natürlich auch die Möglichkeiten und die Darsteller, sodass ich auch - trotz wenig Geld und kleiner Mittel - immer versuchte aus allem das bestmögliche rauszuholen und auch wenn mir nicht jeder Film gelungen ist, so stehe ich doch natürlich zu jedem und bin auch stolz drauf.


Doch was die Dreharbeiten und neue Filme angeht habe ich zu dem Zeitpunkt wirklich keinen Plan, wie und ob es weitergehen kann oder ob dank Corona alles den Bach runtergeht. Ich möchte gerne *Eine zweite Chance* beenden und den Film auch zeigen, aber vielleicht wird es nach der langen Zeit auch mein letzter Film, weil die Motivation und die Leidenschaft erloschen ist? Ich weiß es nicht. Ich weiß nicht, ob er überhaupt fertig werden kann, aber vielleicht finde ich dann auch wieder meine Leidenschaft dafür wieder. Keine Ahnung, mal sehen. Schließlich gibt's in den Drehbüchern, die ich in den letzten zwei Jahren geschrieben habe einiges, worauf ich mich sehr darauf gefreut hatte es zu drehen und mit ein paar bestimmten Leuten zusammenzuarbeiten. Dieses Jahr wird auch mein erster Film *An Inspector Calls* 15 Jahre alt im November. *Eine zweite Chance* wäre mein 19. Film, *Phantom II* dann mein zwanzig-ster. Wäre im Jubiläumsjahr sicher eine tolle Aktion gewesen, ein doppeltes Jubiläum sozusagen. Aber wer weiß, ob davon überhaupt was noch kommen wird.


Das wichtigste ist aber erstmal, bleibt alle gesund!


ST*



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